Schweizer Bauer, 21.2.2009

© Schweizer Bauer; 21.02.2009
Paintball-Farm: Neuausrichtung eines Bauernhofs in Dietwil AG

«Wir beginnen jeden Satz mit Bitte»

Zwei junge Landwirte haben sich einen Traum erfüllt. Aus dem ehemaligen Kuhstall, dem Heustock und der Abladtenne entstand eine «Paintball-Farm». Ein landwirtschaftlicher Betrieb der besonderen Art .

Heidi Bono

Das Dorf Dietwil sei das erste oder auch das letzte im Kanton Aargau, es komme ganz darauf an, aus welcher Richtung man es betrachte, erklärten die beiden Zwillingsbrüder Eric und Adrian Baumann (30). Sie sind auch die beiden Models im Bauernkalender für das Jahr 2009. Beide haben eine Ausbildung als Landwirt absolviert und wollten, neben dem traditionellen Landwirtschaftsbetrieb, noch etwas anderes realisieren.

«Es ging ums Überleben»

Man müsse auch in Betracht ziehen, dass der normale Betrieb nicht ausgereicht hätte für ein Auskommen von zwei Betriebsleitern mit ihren Familien. «Es ging bei der Suche nach einer Alternative ganz einfach auch ums Überleben», präzisierte Eric Baumann. Zusammen mit seiner Partnerin Priska, die gelernte Floristin ist, und den beiden Buben Jay (3 Jahre) und Chris (2 Jahre) bewohnt er das neue Haus neben der Paintball-Farm und den Landwirtschaftsgebäuden. Der Vater liess sich nach der Hofübergabe 2004 bei den beiden jungen Landwirten anstellen.

Der landwirtschaftliche Betrieb umfasst 36 Hektaren Land. Man betreibe Ackerbau mit Mais und Getreide. «Wir produzieren 200 Tonnen Futter in der eigenen Futtermühle. Daneben tummeln sich zurzeit im Stall 380 drei Monate alte Mastschweine. Zum Teil wurden die bestehenden Gebäude umgenutzt. Nur so war es möglich, die Bewilligung für das Führen der Paintball-Farm, für den nichtlandwirtschaftlichen Nebenerwerb, zu bekommen. Nach zwei Jahren Planungs- und Bauzeit wurde im April 2005 der Traum der beiden Brüder wahr. Am Tag der offenen Tür nahmen 2500 Personen die Gelegenheit wahr, die Anlage zu besichtigen. Man habe auch zu den Nachbarn sehr gute Beziehungen, es gab keine Einsprachen. «Vielleicht auch deshalb, weil wir immer informierten und mit allen das Gespräch suchten», vermutet Adrian Baumann.

Sorgfältige Instruktion

Die Besucher der Paintball-Farm kommen grösstenteils an den Wochenenden. Es brauche mindestens zehn Leute, damit ein Event organisiert werden könne, und 30 Leute könnten teilnehmen. Die Preise richten sich vor allem danach, ob die Besucher Kleider selbst mitbringen oder sich Overalls und zusätzlich Brust- und Rückenprotektoren sowie Knie- und Schienbeinschoner vor Ort ausleihen.

Die Gruppen werden mit einem Kurzfilm und dem Erklären der Ausrüstung sorgfältig instruiert. Während des ganzen Aufenthalts sind Instruktoren zur Betreuung anwesend. Wenn man sich nun vorstelle, dass diese Freizeitbeschäftigung aggressiv mache, täusche man sich, war von den Organisatoren zu vernehmen.

Anstrengender Spass

«Die Leute sind etwas nervös und wissen eigentlich nicht so genau, was auf sie zukommt, und deshalb sind sie sehr aufmerksam bei den Instruktionen. «Wir selber geben die Anweisungen in einem freundlichen Ton und unterstreichen alles mit dem Wort ‹Bitte›. In den vergangenen Jahren habe man ganz wenige Male Besucher bitten müssen, die Anlage zu verlassen, weil sie sich ungebührlich aufführten. Die Veranstaltungen auf diesem Abenteuer-Spielfeld seien überaus anstrengend und die Spiele sehr streng strukturiert. Es würden keine Ausrutscher geduldet, aber, wie bereits erwähnt: «Wir verunglimpfen auch niemanden.» Man sei bemüht, allzeit einen freundlichen und humorvollen Ton zu anzuschlagen.

Im Internet: www.paintballfarm.ch


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