Neue Luzerner Zeitung, 8.1.2007

Neue Luzerner Zeitung, 8.1.2007

Im Bauernkalender dank des Margeritenstrauss

KERNS - Ackerbau und Dessous haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Bringt man sie zusammen, entsteht Sinnlichkeit. Der Beweis einer blonden Kernserin.

Der Januar ist da. Höchste Zeit, den alten Kalender von der Wand zu holen und einen neuen aufzuhängen. Wie wäre es mit einem Bauernkalender? Nein, keiner mit Sprüchen wie: «Ist der Jänner hell und weiss, wird der Sommer richtig heiss.» Heiss – das trifft die Sache jedoch recht gut. Die Rede ist von einem erotischen Bauernkalender. Dass darin kaum nur Wiesen und alte Spycher abgebildet sind, versteht sich von selbst. Nicht selbstverständlich dagegen ist es, dass eine Obwaldnerin in diesem Kalender posiert. Und zwar nicht an irgendeinem Monat, sondern gleich auf dem Titelbild. Sonya Reinhard heisst sie, geboren und aufgewachsen in einem Heimet in Mingetloh bei Kerns. Und gern würde man nun erzählen, wie spektakulär diese ganze Geschichte ist, wie es gekommen ist, dass die blonde Bauerntochter ihre Reize in den Stuben und Stadeln der Nation zeigt. Dabei ist es gerade das Schlichte, das ihr zu diesem Erfolg verholfen hat. «Es war wohl der Margeritenstrauss», sagt Sonya Reinhard.

Unschuld vom Lande

Nachdem sich Sonya Reinhard als Model für den erotischen Bauernkalender 2007 beworben hatte, wurde sie im Mai ans Casting in Zürich eingeladen. «Die Jury gab mir zehn Minuten Zeit, mich zu präsentieren. Ich hatte zuerst keine Ahnung, was ich machen sollte.» Erst kurz vor der Reise nach Zürich kam ihr die Idee, vor dem Hof im Mingetloh einen Strauss Margeriten zu pflücken. «Ich glaube, das hat der Jury gefallen.» Als die ersten Fotos gemacht wurden, drückte man anderen Bewerberinnen einen Heurechen in die Hand oder legte ihnen eine Kuhglocke um die nackten Schultern. Sonya Reinhard steckte sich eine Margerite ins Haar und nahm den Strauss zwischen die zarten Finger – die Unschuld vom Lande.

Lächeln und posieren

Ein paar Wochen später die frohe Botschaft per Mail: Sonya Reinhard durfte mit 13 anderen Frauen ans Shooting für den Bauernkalender 2007. Auf einem grossen Bauernhof in Wil wurden die Fotos geschossen. «Es hat Spass gemacht, war aber auch unglaublich anstrengend. Lächeln, posieren. Ortswechsel. Lächeln, posieren. Und das knapp sechs Stunden lang.» Doch die Geduld hat sich gelohnt. Am 10. Oktober, an ihrem 29. Geburtstag, hielt die Kernserin zum ersten Mal den Kalender in der Hand, wo sie sich auf dem Titelbild sah. Kniend in einem Salatbeet, gemeinsam mit Barbara aus Bern. Leicht bekleidet zwar, aber alles andere als schlüpfrig. Ein feminines, fast anmutiges Bild. «Sie wollten mich erst überreden, mehr auszuziehen. Aber ich habe meine Grenzen klar gezogen.» Die Reaktionen blieben nicht aus. «Mein Vater, meine Schwestern und meine Freunde haben sich mit mir gefreut. Ich habe viele Komplimente erhalten» Und was sagt der Schatz oder Ehemann dazu? «Nichts. Ich bin Single.»

In der Welt herumkommen

Solo und schön ist sie, Sonya Reinhard, und in diesen Tagen fliegt die gelernte Hotelfachassistentin für zwei Monate nach San Diego, um ihr Englisch zu verbessern. «Mein grösster Traum ist es, nach Peru zu reisen.» Spanisch kann sie bereits. Überhaupt: In der ganzen Welt herumkommen wolle sie, Sprachen lernen, Menschen treffen. Und wenn sie den richtigen Mann finde, möchte sie später einmal eine Familie haben. «Aber das schreiben Sie besser nicht so.» Warum denn nicht? Wäre es nicht schön, in vielen Jahren den Enkelkindern das Titelbild des Bauernkalenders 2007 zu zeigen, etwas vergilbt vielleicht, aber doch ein Zeugnis dafür, wie die Grossmutter einst in Sinnlichkeit und Grazie blühte? «Doch. Das wäre sehr schön.»

Adrian Venetz

Die Nachfrage nach dem Bauernkalender war sehr gross. Dank eines Neudrucks sind aber wieder Exemplare zu haben. Der Kalender kann unter www.bauernkalender.ch für 38.50 Franken bestellt werden.

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