Berner Zeitung, 26.7.2011

Ein Mann wie aus einem Heldenepos
 
In kraftvoller Pose und mit einem kräftigen Muni am Strick – so setzt sich Adrian Walther für den Bauernkalender 2012 in Szene.
Wie ein Held aus einem antiken Epos steht er da in seinen bayrisch angehauchten Lederhosen, den Oberkörper nackt, die Arme und die Brust durchtrainiert. Es ist ein kraftvoller Auftritt mit einem Muni, der sich trotz seiner Kräfte geduldig am Strick führen zu lassen scheint. Ein Muni? Adrian Walther lacht. «Er passt auf alle Fälle besser zu mir, als es eine Geiss tun würde.»
Wieder laufen die Vorbereitungen für eine neue Ausgabe des Bauernkalenders, Ausgabe «Boys». Wieder haben sich dreizehn Bauern und Bauernsöhne für die Fotokamera in Position geworfen, und wieder hat sich auch ein Emmentaler auf das erotisch angehauchte Abenteuer eingelassen – warum der Muni besser zu ihm passe? Adrian Walther kann es nicht in Worte fassen. «Mit den Geissen kann ich mich nicht anfreunden.»
 
Mit Leib und Seele Bauer
 
22-jährig ist der Jungbauer aus Krauchthal und seit letztem Jahr auf dem elterlichen Hof sein eigener Herr und Meister. 17 Hektaren Land und 4 Hektaren Wald umfasst das Heimet, im Stall stehen 21 Milchkühe. Für heutige Verhältnisse «ein eher kleiner Betrieb», wie selbst Adrian Walther eingestehen muss. Aber, fügt er mit bestimmtem Unterton an: Wer mit dem Geld sparsam umgehe, könne von diesem Hof sehr wohl leben.
Zumal er, wie er auf Nachfrage auch noch sagt, während der Erntezeit hie und da in einem Lohnunternehmen aushilft. Den Hof übernahm er übrigens schon so früh, weil den Vater gesundheitliche Probleme plagen. Als es vor Jahresfrist darum ging, dazu Ja zu sagen, musste er nicht lange überlegen. «Mein Beruf hat etwas sehr Schönes. Ich schätze die Unabhängigkeit, die er mir bietet, und ich arbeite auch sehr gerne draussen. Ich bin mit Leib und Seele Bauer.»
Geschminkt und eingeölt
 
Wie es überhaupt zum Kalendershooting gekommen sei? «Es hat sich einfach ergeben», antwortet Adrian Walther und erinnert daran, wie er im Kreise seiner Kollegen auf die Idee gekommen ist, es doch mal zu versuchen.
Nach wie vor scheint er irgendwie zwischen dieser Lust auf eine neue Erfahrung und den Bedenken vor den ungewissen Reaktionen hin und her gerissen zu sein. So betont er auf der einen Seite, dass er ja «nicht gerade jeden Tag so in der Öffentlichkeit stehen» möchte, um auf der anderen Seite gleich wieder zu relativieren: Er habe immer gehofft, auf einem der Kalenderbilder der Ausgabe 2012 abgebildet zu werden. Zwar sei es «schon speziell» gewesen, sich in erotischer Pose ablichten zu lassen, aber: «Eigentlich stört es mich nicht. Man sieht ja gar nicht viel.»
 
Dass die Kalendermacher für den guten optischen Eindruck etwas nachgeholfen haben, sagt der junge Bauer offen. So, wie er selber es ja auch tut: «Ich gehe», erklärt er seine Muskeln, «drei- bis viermal pro Woche in den Kraftraum.» Angefangen habe er wegen Problemen mit dem Rücken, doch mittlerweile sei er der Meinung, das Resultat des stetigen Trainings zeigen zu dürfen – auf dem Bild kommt dies noch umso besser zur Geltung, als er für den rund 45-minütigen Fototermin zusätzlich geschminkt und eingeölt worden ist.
Das Casting in der voralpinen Welt des Schwarzsees hat Adrian Walther nicht nur angenehm in Erinnerung. Hatte anfangs noch die Sonne geschienen, zog es später zu und wurde fröstelig kühl. Wenigstens wurden die Hosen mit der Zeit etwas länger. «Zuerst sollte ich nur in Unterhosen posieren, doch diese wirkten neben dem Muni komisch.»
 
Kein Muni auf dem Hof
 
Noch weiss Adrian Walther nicht, welches Monatsblatt ihm gewidmet sein wird. Genauso offen ist für ihn, ob sich sein Briefkasten dannzumal mit Briefen weiblicher Fans füllen wird. Auf Nachfrage betont er in diesem Zusammenhang nur, «dass ich gut vergeben bin». Kennen gelernt habe er die Frau übrigens erst in den letzten Wochen, lange nach der Anmeldung für den Bauernkalender. Doch zum Glück «findet sie die Fotos schön».
Sagts und kommt zurück auf den kräftigen Muni vom Kalenderbild. Auf seinem Hof zu Hause in Krauchthal, betont er, möchte er so ein Tier nicht halten. Nicht nur weil der Stall nicht eingerichtet sei, sondern auch aus Sicherheitsgründen: «Es gibt zu viele Unfälle.»

Presseartikel 2014