Solothurner Zeitung, 09.10.2007

© Solothurner Zeitung / Oltner Tagblatt / MLZ; 09.10.2007

Immerhin träumt sie vom Bauernhaus

Matzendorf Sandra Müller hat als regionales «Landei» für den Bauernkalender posiert

Seit 2005 gibt es den Bauernkalender auch in der Schweiz - mit steigendem Erfolg. Die aktuelle Ausgabe erscheint mit 11 000 Exemplaren. Als September-Model an der Erfolgsgeschichte beteiligt: Sandra Müller aus Matzendorf.

achim günter

Gekonnt räkelt sie sich auf dem Liegestuhl, bezirzt den Fotografen mit ihren Blicken, setzt sich in Szene. Ja, das Spiel mit der Kamera beherrscht sie. Die Rede ist von Sandra Müller, 30-jährig, verheiratet, zweifache Mutter, wohnhaft in Matzendorf.

Anlass des Fotoshootings ist ein - Fotoshooting. Sandra Müller ist eine von 15 Frauen im Alter zwischen 17 und 38 Jahren, die für den Bauernkalender 2008 Modell stehen durften. 250 selbstbewusste Frauen hatten sich auf den Aufruf hin beworben, 50 von ihnen durften vor einer prominent besetzten Jury in Zürich ihre Reize und Talente unter Beweis stellen. Renzo Blumenthals kritischem Blick waren die Bewerberinnen zum Beispiel ausgesetzt. Sandra Müller war nicht zuletzt deshalb sehr nervös vor ihrem Auftritt. Dabei ist sie sich Auftritte vor Publikum eigentlich bestens gewohnt: Als Leiterin der Damenriege Matzendorf und vor allem des Team-Aerobics legte sie schon so manchen souveränen Auftritt aufs Parkett.

«Fast davongeflogen»

Als sie schliesslich Bescheid bekam, als Model für den Bauernkalender tatsächlich ausgewählt worden zu sein, «bin ich fast davongeflogen». Sie strahlt übers ganze Gesicht. Seither war der Kalender in ihrem Kopf ständig präsent. Den Bauernkalender hatte sie schon gekannt, als sie im Frühling in der «Schweizer Illustrierten» den Aufruf las. Sie hat sich dann «ohne grosse Hoffnungen» - und ohne ihren Mann davon in Kenntnis zu setzen - beworben. Jetzt sei sie natürlich schon ein wenig stolz, dass sie es in den Kalender geschafft habe. «Es hat mich gereizt, mal bei so etwas mitzumachen. Ich wollte schon länger einmal schön fotografiert werden. Es ist ein gutes Projekt, und der Kalender ist schön», zeigt sie sich - erstmals mit dem Produkt in den Händen - sehr zufrieden.

Ein «richtiges Landei»

Teilnahmebedingung war ein Bezug zum Landleben. Bei Sandra Müller ist der auf den ersten, und ehrlicherweise auch auf den zweiten Blick, nicht zu erkennen. Die letzten Landwirte in ihrer Familie waren ihre Grosseltern, sie wohnt mit ihrem Mann Marco - er ist Lastwagenfahrer von Beruf - in einem wenig bäuerlich anmutenden Einfamilienhaus. Vielleicht weist sie deshalb so entschieden darauf hin, dass sie ein «richtiges Landei» sei und dass sie «nie im Leben vom (ländlichen) Thal wegziehen» könnte. Tatsächlich: Ihr Mann, aus Balsthal stammend, musste sich fügen und nach Matzendorf ziehen. Der Bezirkshauptort wäre ihr zu gross gewesen ... Weitere landwirtschaftliche «Beziehungen»: Einmal wöchentlich hilft sie auf einem Bauernhof beim Voltigieren mit, sie träumt von einem eigenen Bauernhaus mit vielen Kleintieren, und sie züchtet Hunde, genau genommen Golden Retriever. Aktuell tummeln sich sieben verspielte Welpen in ihrem Garten, bewacht von der stolzen Mutter Kimba.

Eifersüchtige Zaungäste

Die Hündin scheint ein wenig eifersüchtig zu sein und will die Dame des Hauses nicht alleine für den Fotografen posieren lassen. Auch der siebenjährige Sohn Luca will die Aufmerksamkeit der Presseleute nicht nur seinem Mami überlassen. Als Sandra Müller sagt «Es ist genial, mal in so einem Kalender abgebildet zu sein», wirft der Sohnemann ein, er sei dann übrigens auch schon mal in einem Kalender erschienen.

In 326 Tagen beginnt der September 2008 und mit ihm die 30 Tage dauernde Bauernkalender-Ära der Sandra Müller. In unzähligen Wänden in Schweizer Ställen, Küchen und Wohnzimmern wird sie dann den Menschen und Tieren zulächeln. Das Bild zeigt sie spärlich bekleidet, aber nicht allzu aufreizend. Auf die Pose hatten die Models allerdings kaum Einfluss. Als «Lohn» fürs Mitmachen erhält sie 500 Franken und einen, ja klar, Gratiskalender. Der wird aber ihren persönlichen Bedarf nicht decken können, wird sie doch noch Exemplare an nahestehende Personen schenken wollen.

Ein kleiner Schock

Ihr Mann Marco beurteilt die Aktion seiner Frau inzwischen ausschliesslich als positiv. «Anfangs habe ich einen kleinen Schock erlitten.» Aber nachdem er es «verdaut» hatte, lebt er nun gut damit. Leben können muss er auch mit den Sprüchen, die nun unweigerlich kommen. Das Kalenderbild findet er sehr schön. «Ich sehe meine Frau mal von einer anderen Seite», lacht er. Die ersten Reaktionen sind ausschliesslich positiv ausgefallen. Die Leute fänden sie mutig und die Fotos schön.

Wenn es nicht ausartet

Jetzt, da ihre Modelkarriere einen so vielversprechenden Anfang genommen hat - kann sie sich denn vorstellen, dass sie eine Fortsetzung erfährt? «Es macht mir Spass, vor der Kamera zu posieren, zu Werbezwecken etwa würde ich gerne Modell stehen.» Die Initiative wird sie zwar kaum ergreifen, allfällige Angebote würde sie prüfen. Ihr Mann hat nichts dagegen. «Wenn es in diesem Rahmen bleibt, ist es o.k. Aber ausarten darf es nicht», sagt er bestimmt.

Presseartikel 2014