Tagesanzeiger, 21.5.2007

 

© Tages-Anzeiger; 21.05.2007

Nackte Haut zwischen Heu und Miststock

Zum vierten Mal erscheint nächstes Jahr der Bauern- kalender. Am Sonntag fand in Kilchberg das Casting statt.
Von Res Hinterberger

Kilchberg. - In einem Halbkreis sitzen die sieben Jurymitglieder vor dem Kuhstall auf dem Gutsbetrieb Uf-Stocken in Kilchberg. In der Jury ist neben Ex-Mister Schweiz Renzo Blumenthal auch der SVP-Nationalrat und Bauer Toni Brunner. Etwas überrascht, wie freizügig die Bewerberinnen sind, sei er schon, sagt Nationalrat Toni Brunner. «Gewisse zeigen ganz schön viel Haut. Schon fast zu viel», fügt er an und grinst. Brunner spricht den jungen Frauen eine wichtige Funktion zu: Botschafterinnen seien sie, sagt er. «Sie beweisen, dass das verknorzte Image, das uns Landwirten angehängt wird, nicht der Wahrheit entspricht.» Dies sei ihm persönlich wichtig. Auch Renzo Blumenthal ist überrascht, wie offen die Bewerberinnen sind: «Ich würde mich wohl kaum getrauen, so viel Haut zu zeigen wie diese Damen hier.»

Bezug zur Landwirtschaft

Die Plätze im Bauernkalender sind begehrt: 250 Bewerberinnen meldeten sich für das Casting vom Sonntag an, knapp 50 davon durften sich der Jury präsentieren. Rund fünf Minuten haben die Frauen jeweils Zeit, sich kurz vorzustellen und, wenn sie möchten, eine kleine Darbietung zu zeigen.

Die Kriterien, anhand welcher die jungen Landwirtinnen bewertet werden, sind klar: Einen Bezug zur Landwirtschaft müssen sie haben, und sie müssen gut aussehen: «Immerhin hängen diese Bilder jeweils während eines Monats in den Ställen», sagt Brunner.

Nacktaufnahmen mit einer Ziege

Das Prozedere ist für alle Bewerberinnen das gleiche: Jede muss sich kurz vorstellen und von den Fotografen ablichten lassen. Einige versuchen die Jury zudem mit kleinen Zugaben zu überzeugen. Eine Bewerberin bringt Nussgipfel, Toni Brunner klatscht in die Hände. Die nächste zeigt ein Poster mit Fotos von ihrem Hof, Brunner ist begeistert und applaudiert wieder.

Manuela aus dem Kanton Bern zieht kurzerhand ihr T-Shirt aus und setzt sich auf einen Strohballen, um sich von den Fotografen ablichten zu lassen. Alles zeigt sie aber nicht: Ihre Blösse wird von einer Ziege verdeckt. Landwirt Blumenthal erkundigt sich, wie die Ziege heisse. Brunner schlägt «Zottel» als Namen vor.

Nervös sei sie nicht gewesen, sagt Manuela danach. Das Oben-ohne-Bild sei zwar nicht geplant gewesen, «aber mit der Geiss vor mir war das kein Problem für mich.»

Die Gruppe der Bewerberinnen ist heterogen. Die jüngste ist 16, die älteste 38 Jahre alt. Gabriela aus dem Kanton Aargau ist die älteste Bewerberin. Ihr Alter sieht sie jedoch nicht als Nachteil. «Ich habe sowieso nur aus Spass mitgemacht und bin schon glücklich, dass ich überhaupt hierher eingeladen wurde.» Einzig aufs Ausziehen würde sie wegen ihres Alters lieber verzichten: «Ich zeige nicht gerne viel Haut. Da hat es Jüngere, die das lieber machen und besser dabei aussehen.»

Renzo Blumenthal und Toni Brunner schauten genau hin. Unter anderen posierten die Geschwister Doris und Monika sowie Yvonne, alle aus Zürich.

Presseartikel 2014